Marion Gretchen Schmitz

Marion Gretchen Schmitz

SCHAUSPIELERIN UND SPRECHERIN

PKR-Mitglied seit: 2015
Alter: 48
Mitgliedschaften: Women in Film and Television Germany e. V. (WIFT)

Wie kam es zu Ihrer Berufswahl?

Ich habe schon in der Schule – ganz klassisch – im Schul-Musical begonnen. In der Theater-AG hatte ich dann die Männer-Rollen, die sogenannten Hosen-Rollen. Da war der Berufswunsch, Schauspielerin zu werden, aber noch nicht wirklich ausgeprägt. Das kam erst als ich aufs Abitur zuging. Die Schwester meiner Geschichtslehrerin war Schauspielerin. Und da ich mich nicht so richtig entscheiden konnte – Geschichte studieren oder Theaterluft schnuppern –, machte sie mich mit ihrer Schwester bekannt. Und durch diese „Schauspielerin-Schwester“ kam ich zu einer Hospitanz während meiner Schulzeit – Praktikum würde es wohl heute heißen – ans Theater. Nach dem Abi habe ich mich dann fürs Studium und gleichzeitig am Theater beworben, und das Theater hat zuerst „Ja“ gesagt - so kam ich zunächst als Regieassistentin dorthin. Allerdings hatte ich schnell den Wunsch, selber zu spielen. Schließlich habe ich noch meine Debüt-Inszenierung am Theater gemacht und dann entschieden: „Nee, jetzt muss ich mich für die Schauspielerei bewerben, sonst ist irgendwann der Zug abgefahren, Regie kann ich ja noch immer machen, das ist altersunabhängiger!“
 

Würden Sie Ihren Beruf Ihren Kindern oder der nächsten Generation weiterempfehlen?

Das ist eine spannende Frage. Ich würde sie mit Ja und Nein beantworten. Grundsätzlich denke ich, jede/jeder sollte danach gehen, was sie/er gerne machen möchte.

Also ein klares „Ja!“ Schauspieler*in zu sein, bedeutet jedoch nicht immer nur Ruhm und alle kennen Dich. Das, was du aus dem Film- und Fernsehbereich oder den Staatstheatern kennst, bildet nur einen kleinen Teil der Realität ab. Es gibt noch so viel Anderes. Schauspieler und Schauspielerinnen spielen beispielsweise an sehr kleinen Häusern, im Privat-Tourneetheater- oder im Kindertheater-Bereich oder arbeiten engagiert als Klinikclowns. Andere haben eine eigene kleine Produktionsfirma, drehen Imagefilme oder stehen für Foto-Werbung vor der Linse, arbeiten als Coach usw. Viele von uns haben ein zweites Standbein. Und nicht zu vergessen für Frauen wird ab einem gewissen Alter die Luft dünner. Und die Konkurrenz ist wahnsinnig groß. Das musst du alles managen und aushalten können. Außerdem ist es nicht immer einfach, sein Leben mit der Schauspielerei zu finanzieren. In diesem Beruf gibt es wenig Sicherheit. Und deswegen immer auch ein „Nein!“ Trotzdem: Es gibt so viele schöne und tolle Momente in diesem Beruf und alles ist ständig in Bewegung. Ein stetes Hoch und Runter. Das musst du eben abkönnen.
 

Wie ist es zu Ihrer PKR-Mitgliedschaft gekommen?

Am Anfang meiner Laufbahn habe ich über Sprecherjobs u. a. auch für den öffentlich-rechtlichen Bereich irgendwann die PKR bei einer Veranstaltung kennengelernt. Dadurch war mir die Pensionskasse relativ früh präsent. Aber damals gab es noch ein Jahresmindesteinkommen, das man verdienen musste, um in der PKR aufgenommen zu werden. Ich weiß gar nicht, ob es das heute noch gibt. Jedenfalls war ich immer darunter. Seit 2015 bin ich nun Mitglied. Etwas verspätet, aber ich sag mal: besser spät als nie.
 

Was wollten Sie der PKR schon immer mal sagen?

Also erstmal möchte ich euch natürlich ganz herzlich gratulieren zum Fünfzigsten! Eure Entwicklung ist wirklich eine respektable Leistung. Ihr habt tolle Mitarbeiter*innen, seid unglaublich engagiert und sehr offen. Außerdem muss ich sagen, dass euer Online-Informationsangebot in Corona-Zeiten wertvoll ist. Ihr haltet mit Informationen nicht hinterm Berg, geht auf die Leute zu. Macht weiter so! Ganz toll! Manchmal bin ich mir allerdings nicht sicher, ob Arbeitgeber*innen auch klar ist, was es mit der PKR auf sich hat. Vielleicht fehlt es in dieser Hinsicht noch ein Wenig an Aufklärung.
 

Was erwarten Sie von Ihrer Altersvorsorge?

Ganz klar: eine finanzielle Absicherung. Das ist das A und O. Ich muss leider sagen, dass es in meinem Umfeld tatsächlich Altersarmut gibt. Ich hoffe, dass ich da nicht hineinrutsche. Genau deswegen ist mir neben der Gesundheit eine finanzielle Absicherung besonders wichtig. Und da kommt ihr ins Spiel. Zudem ist die Hinterbliebenenversorgung bei Euch eine feine Sache. Und zum Stichwort „Gender Pay Gap“ – ich hoffe, dass das Thema bald erledigt ist und sich die bisherigen Folgen für die Altersvorsorge von uns Frauen relativieren.
 

Mit welchen Argumenten würden Sie Ihren Kolleg*innen raten, sich HEUTE um die Altersversorgung zu kümmern?

Tatsächlich finde ich das Thema gerade für junge Menschen wichtig. Da ist meistens kein Kopf für so etwas. Wenn du jung bist in meiner Branche, willst du spielen, du willst drehen und sprechen. Ich hatte damals Glück, dass mir ein älterer Kollege am Theater geraten hat: „Geh in die Bayerische Versorgungskammer und bleib da drin, auch wenn du hier am Theater aufhörst. Bezahl durch und bezahl immer weiter.“ Und das gilt auch für die PKR: Ich sag mal, je früher, desto besser! Du kannst auch mit kleineren Beträgen anfangen. Und wenn du viel drehst oder sprichst, dann macht es Sinn, dass du entsprechend höhere PKR-Abgaben zahlst. Und weil dann natürlich die Zeit bis zur Rente länger ist, wirkt sich das positiv auf die Höhe deiner Rente aus. Ich drehe häufiger mit Studierenden und stelle fest, dass viele jüngere Menschen im Fernseh- und Filmbereich nichts über die PKR wissen. Als PKR-Botschafterin mache ich sie darauf aufmerksam, denn ich bin überzeugt: je früher, desto besser! Ich habe es in der Hand, selber für meine Rente zu sorgen, sie selber zu gestalten und verlasse mich nicht allein darauf, dass der Staat für mich sorgt.
 

Welchen aktuellen Programmtipp möchten Sie gerne teilen?

Unorthodox – die Serie von Maria Schrader auf Netflix. Ich habe sie in zwei Tagen verschlungen. Großartige Serie mit einem fantastischen Cast! Und How to Tatort - die Mockumentary-Serie zum neuen Bremer Tatort in der ARD Mediathek – trifft genau meinen Humor. Außerdem möchte ich noch den wundervollen Podcast „Enthüllt“ in sechs Folgen von Kim Frank erwähnen. Eine fiktionale Geschichte, in der es um das Thema Racial Profiling, Asyl und Abschiebung geht. Super spannend, ebenfalls tolle Besetzung und sehr gut recherchiert! Besonders schön: Ein Geräuschemacher hat mit viel Liebe zum Detail die ganzen Geräusche selbst erzeugt.
 

Wie sieht die Film- und Fernsehbranche in zehn Jahren aus?

Ich wünsche mir, dass wir dann eine Fernseh- und Filmlandschaft haben, in der die Themen, die jetzt gerade aktuell sind – vor allem Diversität – der Normalzustand sind. Dass tatsächlich unabhängig von Hautfarbe, Alter, Geschlecht besetzt und produziert wird, und zwar ohne, dass immer überlegt werden muss, ob es eine Vorgeschichte braucht. Da entwickelt sich gerade schon ganz viel, dennoch muss noch einiges passieren! Beim diesjährigen Max Ophüls Festival lief der wunderbare Film „Nico“ mit Sara Fazilat, die auch im Vorstand von ProQuoteFilm ist. Ich habe sie nachher im Interview gesehen, sie steht genau für das ein: es geht hier nicht um Hautfarbe, Nationalität oder Alter, sondern es geht um den Stoff, die Geschichte, da ist es egal, wer das spielt – natürlich immer die ideale Besetzung.

Außerdem darf es in zehn Jahren für Frauen keine Ü-40-Grenze mehr geben. Ältere Frauen müssen in der Film-und Fernsehbranche mit interessanten Rollen und Geschichten sichtbar vor der Kamera sein. Gender-Pay Gap und Gender Pension Gap sollten sich ebenfalls erledigt haben. Und das muss ich jetzt auch noch kurz loswerden: Ich hoffe natürlich, dass wir weiterhin auf Basis einer demokratischen, freien, liberalen Ebene Filme und Fernsehen bzw. Theater produzieren werden. Es muss immer genug Gegenwind geben, dass irgendwelche rechtspopulistischen Richtungen und Strömungen keine Chancen haben, Kultur und Bildung zu beschneiden.
 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Einen respektvollen Umgang miteinander sowie gegenseitige Wertschätzung und vor allem Respekt der Natur gegenüber. Wir müssen endlich alle anerkennen, dass unser Planet nur begrenzte Ressourcen hat! Ich wünsche mir, dass wir da schneller größere Entwicklungs- schritte machen, es ist so was von knapp vor zwölf!

Und by the way, wünsche ich mir natürlich noch viele spannende Film-und Fernsehrollen als auch Sprecherjobs … In diesem Sinne auf die nächsten 50 Jahre PKR!


ZUR PERSON: Marion Gretchen Schmitz (48): Schauspielerin und Sprecherin; rheinisches Nordlicht mit Wurzeln im Rheinland und Leben in Hamburg; Mitglied bei Women in Film and Television Germany e. V. (WIFT); leidenschaftliche Filmfestivalgängerin als auch Schrebergärtnerin;

Marion Gretchen Schmitz' Präsenz bei Crew United

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