Carola Raum

Carola Raum

KOSTÜMBILDNERIN

PKR-Mitglied seit: 2007
Alter: 53
Mitgliedschaften: Ehrenmitglied im Verband der Berufsgruppen Szenenbild und Kostümbild e. V. (VSK)

Wie kam es zu Ihrer Berufswahl?

Das hat sich während meiner Studienzeit ergeben. Es ist nicht so, dass ich schon immer zum Film wollte. Ich bin Schneider- und Gewandmeisterin und habe in München an der deutschen Meisterschule für Mode studiert beziehungsweise eine Ausbildung gemacht, die es in der Form, glaube ich, gar nicht mehr gibt. Während dieser Zeit bin ich mit Film in Berührung gekommen. Als eine Assistentin für einen historischen Kurzfilm gesucht wurde, habe ich die Stelle angenommen – und da war es um mich geschehen.
 

Würden Sie Ihren Beruf Ihren Kindern oder der nächsten Generation weiterempfehlen?

Also bedingt. Ich habe über die Frage tatsächlich eine Weile nachgedacht im Hinblick auf die Arbeitsbedingungen und die langfristigen Aussichten in der Branche. So wie sich die Situation zurzeit darstellt, würde ich wirklich sagen: Nur wenn jemand eine klare Vorstellung davon hat, was ihn oder sie da erwartet. Man sollte sich schon sehr genau informieren. Geht es aber um die inhaltlichen und kreativen Seiten dieses Berufs, dann auf jeden Fall, natürlich, sofort und immer wieder!
 

Wie ist es zu Ihrer PKR-Mitgliedschaft gekommen?

Ich bin von einer Kollegin, einer Szenenbildnerin, quasi geworben worden. Sie hat mich angesprochen und gesagt: „Wenn du noch nicht Mitglied bist, dann werde es doch. Du kriegst Zuschüsse zur Altersvorsorge und ich kriege dann auch eine Prämie.“ Das war total nett, weil sie das gleich so gesagt hat. Ich finde das auf jeden Fall legitim. Allerdings war es damals ein bisschen kompliziert wegen der Zugangsvoraussetzungen, und ich war mir nicht sicher, ob eine Mitgliedschaft für mich in Frage kam. Ein Filmgeschäftsführer-Kollege hat mir schließlich sehr geholfen. Noch rückwirkend hat er für mich von Firmen, für die ich zuvor gearbeitet hatte, die Beschäftigungs- und Verdienst-Bescheinigungen eingeholt. Und dann hat alles gepasst. Er hat mich da sehr unterstützt.
 

Was wollten Sie der PKR schon immer mal sagen?

Ich freue mich riesig darüber, dass sich in den letzten Jahren die Außendarstellung und damit die Wahrnehmung der PKR in der Branche so verbessert und verändert hat. Das ist wunderbar, weil man feststellt, dass die PKR „angekommen“ ist bei uns in der Branche. Die Leute nehmen die PKR wahr, es ist nicht nur eine Institution, über die man was hört. Die PKR ist sichtbar geworden. Ich denke, das hängt auch mit dem Team zusammen, das in den letzten Jahren sehr stark nach außen aufgetreten ist. Das finde ich wirklich toll. Mittlerweile sind die Zugangsvoraussetzungen ebenfalls viel einfacher. Es reicht ein kurzes Gespräch im Arbeitsalltag: „Du, das läuft so und so, schau auf die Website – und wenn du nicht klarkommst, ich helfe dir.“
 

Was erwarten Sie von Ihrer Altersvorsorge?

Sie sollte verlässlich, flexibel und eine sichere Rechengröße sein.
 

Mit welchen Argumenten würden Sie Ihren Kolleg*innen raten, sich HEUTE um die Altersversorgung zu kümmern?

Das Hauptargument ist tatsächlich, dass die PKR die einzige geförderte Altersvorsorge bei uns in Film und Fernsehen ist. Natürlich gibt es Leute, die gute Gegenargumente haben und anders aufgestellt sind. Ich antworte dann immer: Es ist ein Zuschuss, den man sonst nicht bekommt, der sonst einfach weg ist. Vier Prozent bei jedem öffentlich-rechtlichen Projekt! Das ist ein schlagendes Argument. Ich habe bisher fast niemanden getroffen, der bei genauerem Hinsehen nicht doch gesagt hätte: „Stimmt, macht Sinn.“
 

Welchen aktuellen Programmtipp möchten Sie gerne teilen?

Ich bin gerade zur Abwechslung mal sehr stark auf der Audio-Schiene unterwegs. In Corona-Zeiten habe ich noch häufiger als sonst lange Spaziergänge gemacht. Ich bin mit allen möglichen Wissens-, Kultur- und Politik-Podcasts unterwegs. Das fängt an bei „SWR2 Wissen“, geht über Deutschlandfunk Nova „Eine Stunde History“, Deutschlandfunk Kultur bis hin zu „Lage der Nation“. Ich stelle also fest, ich bin gerade sehr Podcast-lastig. Das ist informativ und kommt direkt an, wenn ich unterwegs und draußen bin.
 

Wie sieht die Film- und Fernsehbranche in zehn Jahren aus?

Es gibt kaum übergreifende Anstrengungen, um zum Beispiel mit Hilfe der erfahrenen Kolleginnen und Kollegen Konzepte zu entwickeln, wie man in Zukunft anspruchsvolle und auch große Produktionen, wie wir sie hier machen, gewährleisten kann. Uns fehlen einfach die gut ausgebildeten Leute! Personal-Notstand am Set ist keine Seltenheit. Es gibt viele Anfänger, was natürlich gut ist, aber es muss auch Leute geben, die die Anfänger solide und gut schulen und ausbilden. Das ist nicht mal schnell in ein, zwei Wochen gemacht, dafür braucht man einen langen Atem und ein Konzept. Nachwuchsförderung wird in der Branche mitunter auch missverstanden. Die fachlich und handwerklich solide Basis muss aber weiter gefördert und erhalten und die Arbeitsbedingungen müssen verbessert werden! Das ist eine große Aufgabe, der sich alle gemeinsam zu stellen haben. Aber es gibt auch Hoffnung am Horizont: In zehn Jahren ist die Branche mit Sicherheit deutlich nachhaltiger, grüner, diverser und gleichberechtigter… es geht gar nicht anders. Das finde ich etwas sehr, sehr Schönes und Positives.
 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ich persönlich wünsche mir Gesundheit und Glück, Offenheit und Neugierde, spannende Projekte. Beruflich wünsche ich mir, der Branche, den Kolleginnen und Kollegen und allen, mit denen ich zu tun habe, viel Mut, Respekt und Fairness. Ich hoffe auf einen guten gemeinsamen Weg in die Zukunft.


ZUR PERSON: Carola Raum (53): freischaffende Kostümbildnerin; lebt in München; Ehrenmitglied im Verband der Berufsgruppen Szenenbild und Kostümbild e. V.; seit 2007 PKR-Mitglied.

Carola Raums Präsenz bei Crew United

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