Kirsten Frehse

Kirsten Frehse

HERSTELLUNGSLEITERIN BEI DER DEGETO

PKR-Mitglied seit: Die Degeto ist seit 2014 Anstaltsmitglied
Alter: 53
Mitgliedschaften: Vertreterin in der Mitgliederversammlung für das Anstaltsmitglied Degeto

Wie kam es zu Ihrer Berufswahl?

Ich bin auf der Bühne und vor der Kamera groß geworden und konnte mir eigentlich nichts anderes in meinem Leben vorstellen, als in den Medien zu verbleiben. Die Arbeit hinter der Kamera oder auch hinter der Bühne hat mich immer fasziniert. Und als sich die Chance ergab, habe ich, nach einem kleinen Umweg über ein halbes Betriebswirtschaftsstudium, an der Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam-Babelsberg (Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf, Anm. d. Red.) studiert.

Ich kann nichts anderes außer Film. Es ist eine Leidenschaft – früher vor der Kamera, heute dahinter. Und da ich schon immer so ein Organisationsmensch gewesen bin, war der Weg zur Herstellungsleitung nur konsequent. Und ja, er macht Spaß.

Würden Sie Ihren Beruf Ihren Kindern bzw. der nächsten Generation empfehlen?

Ich lebe den Beruf mit Herz und ganzer Seele. Und weil das so ist, unterrichte ich ihn auch seit 20 Jahren. Ich bin Dozentin unter anderem an der Filmakademie in Ludwigsburg und habe auch schon vor meiner Degeto-Zeit sehr viel für die Aus- und Fortbildung in dem Bereich getan. Ich engagiere mich für den Nachwuchs auch bei der Degeto, als Ausbilderin mit der Durchführung eines Traineeprogramms im Bereich Herstellungsleitung. Jeder, der sich von mir ein Stück weit auf dem Ausbildungsweg begleiten lässt, macht mich ein bisschen stolz und glücklich.

Ob ich den Beruf meiner eigenen Tochter empfehlen würde, weiß ich nicht. Das hängt hauptsächlich von ihren Neigungen ab, die sich ja derzeit erst anfangen zu zeigen.

Also eine klare Empfehlung?

Absolut.

Wie ist es zur Anstaltsmitgliedschaft der Degeto gekommen?

Die Anstaltsmitgliedschaft der Degeto war mir eine persönliche Herzensangelegenheit. Als sich die Degeto im Jahre 2012 neu aufstellte, wurde die Firma einmal komplett auf links gedreht. Das war gut so, denn dadurch, dass die Degeto kein Mitglied der PKR war, kam es zu einer uneinheitlichen Verfahrensweise mit etwaigen PKR-Kosten für Produzenten. Eine sehr unglückliche Ausgangssituation. Auf meine Anregung hin, haben sich dann Christine Strobl (Programmgeschäftsführerin der Degeto von 2012 bis 2021, Anm. d. Red.) und der damalige kaufmännische Geschäftsführer Stefan Lux mit dem Thema beschäftigt. Durch die Mitgliedschaft der Degeto wurde diese Handhabung vereinheitlicht und der Gedanke ein Jahr später in das Eckpunktepapier weitergetragen, welches für die ARD die Erstattung der Produktionsbeiträge für die PKR geregelt hat. Es war ein Weg, der sowieso in naher Zukunft gekommen wäre. Ich war, wenn man so möchte, eigentlich nur das Zünglein an der Waage.

Was wollten Sie der PKR schon immer mal sagen?

Ich glaube, dass die soziale Absicherung von Filmschaffenden, die hauptsächlich in freien Beschäftigungsverhältnissen oder zeitlich befristeten Anstellungen tätig sind, ein ganz, ganz wichtiges Thema ist, egal ob es um soziale Vorsorge oder Rentenvorsorge geht.

Ich finde, die PKR macht ihre Arbeit gut. Es freut mich, dass sie so engagiert auch die immer wieder auftauchenden systembedingten Lücken schließt. Nehmen wir zum Beispiel die Erfassung der PKR-Anstaltsbeiträge bei Koproduktionen. Unermüdlich sucht man nach Lösungen, die am Markt Akzeptanz finden und zugunsten der Mitglieder sind. Die PKR stellt sich wirklich in den Dienst ihrer Mitglieder und ist nicht nur reiner Selbstzweck. Das unterstütze ich sehr, wenn ich kann.

Wie sollte die Vorsorge Ihrer Meinung nach funktionieren?

Es ist eine freiwillige Angelegenheit. Und ja, eine weitere Verstaatlichung von solchen Dingen halte ich, schlicht und ergreifend, für schwierig. Es wäre halt toll, wenn noch mehr Produktionsunternehmen sich der betrieblichen Altersvorsorge verpflichtet fühlen würden. Was ebenfalls in diesen Zusammenhang gehört und auch schon diskutiert wird, ist die Frage, inwieweit man veranlassen kann, bei Kino-Koproduktionen, Beiträge an die PKR abzuführen.

Diesen Weg sollte man unbedingt weitergehen. Generell wird die Aufteilung der Beiträge zur zusätzlichen Altersvorsorge zwischen Filmschaffenden und Sendern oder Produktionsunternehmen immer wichtiger werden. Denn es ist damit zu rechnen, dass sich bei der staatlichen Rente einiges verändern wird. Schon alleine aufgrund der demografischen Entwicklung. Damit die nachfolgenden Generationen nicht von den Rentenversicherungsbeiträgen aufgefressen werden, wird die private Vorsorge immer wichtiger. Und deshalb gilt es, die PKR in dieser Form zu erhalten.

Mit welchem Argument würden sie Ihren freien Kolleg*innen oder Mitarbeiter*innen raten, sich HEUTE schon um die Altersvorsorge zu kümmern?

Also, ich würde ihnen nicht nur dazu raten, ich tue es bereits.

Mittlerweile sensibilisiere ich schon Studenten dafür. Jemand, der Mitte 20 ist, hat noch keine Idee davon, dass er sterblich ist. Er hat auch noch keine Idee davon, dass er irgendwann ein Rentenalter erreichen und private Vorsorge dann ein wichtiger Baustein sein wird. Man kann sich einfach nicht genug absichern. Ich rate dann zur PKR, weil sie hoffentlich, hoffentlich, hoffentlich verlässlich bleibt. Deshalb, wenn es die Möglichkeit gibt: Nehmt diesen Baustein, sobald ihr könnt.

Welchen aktuellen Programm-Tipp würden Sie gerne teilen – TV, Radio, Podcast ...?

Unbedingt anschauen sollte man zurzeit „Geheimnis des Totenwaldes“. Der Film war schon in der Erstausstrahlung und ist ein großer Hit in der Mediathek. Ich finde es wahnsinnig spannende und gut gemachte Unterhaltung, verbunden mit einer kleinen Zeitreise. Das Ganze spielt in den Achtzigern und Neunzigern. Es sind drei wirklich fesselnde Teile à 90 Minuten, die jede Sekunde wert sind.

Wie sieht die Film- und Fernsehbranche in zehn Jahren aus?

Ich glaube, dass sich die Filmproduktion nicht stark verändern wird. Eine Filmproduktion wird immer jemanden brauchen, der eine Kamera bedient, und einen, der den Ton aufzeichnet. Es wird Maskenbildner, Kostümbildner, Szenenbildner geben und, und, und. Die Herstellung des Films an sich wird sich also gar nicht so groß verändern. Was sich natürlich total verändern wird, sind die Ausspielwege und die Art der Nutzung. Damit wird sich voraussichtlich auch der Bedarf an verschiedenen Genres verändern. Ich könnte mir vorstellen, dass die Fiktion sich ein bisschen mehr an internationale Formatlängen angleichen wird. Also der klassische Neunzigminüter, den wir in Deutschland noch produzieren und der ein sehr deutsches Modell ist, der könnte sich am Ende des Tages eher in den 45-Minuten-Formaten wiederfinden, die sonst die Welt so guckt. Wir wollen und werden zukunftsfähig sein. Wir wollen und werden konkurrenzfähig sein und bleiben. Formate wie Babylon Berlin oder andere spannende und gute gemachte Reihenformate von den Kollegen von Netflix oder Sky zeigen, dass es geht. Insofern verlieren wir hoffentlich den Anschluss nicht.

Die Finanzierungsfrage wird immer eine problematische bleiben. Die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist schwierig. Die aktuelle Gebührendiskussion erfüllt uns mit Sorge. Sie ist auch Ausdruck für ein verändertes Demokratieverständnis der Menschen. Wir als öffentlich-rechtlicher Rundfunk müssen ganz, ganz viel dafür tun, dass wir als Teil dieser Demokratie wahrgenommen werden. Der Blick in Nachbarländer, die autokratischer unterwegs sind, zeigt, wohin es gehen kann. Das ist nicht gut! Unsere Demokratie ist ein sehr hohes Gut, welches schützenswert ist. Und ich betrachte tatsächlich den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als einen sehr wichtigen Bestandteil darin.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Abgesehen davon, dass wir uns alle wünschen, dass Covid-19 uns bald wieder in die Normalität zurückkehren lässt – vielleicht in eine leicht veränderte Normalität, aber in eine Normalität –, wünsche ich mir sehr, dass die Branche lebendig bleibt. Ich freue mich wahnsinnig darüber, dass ARD und ZDF, aber auch die Privaten es geschafft haben, diese schwere Krisenzeit bis jetzt relativ gut zu überstehen. Es ist wie beim 100-Meter-Lauf, die letzten Meter sind die schlimmsten. Aber ich hoffe sehr, dass wir alle zusammen die Branche am Leben erhalten können, damit wir auch in fünf oder zehn Jahren weiter auf einen wunderbaren Pool kreativer Menschen zurückgreifen können, weiter wunderbare Filme machen und im internationalen Vergleich konkurrenzfähig bleiben können. Bisher macht die Branche das wirklich meisterhaft.

Natürlich wünsche ich mir auch in zehn Jahren noch eine lebendige Produzentenlandschaft und einen immer noch potenten öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Wir als Degeto sind für einen erheblichen Anteil der deutschen fiktionalen Produktionen zuständig. Das heißt, wir sind ein wahnsinnig wichtiger Player für die ganze Branche. Wir sorgen also dafür, dass Menschen in dieser Branche arbeiten können. Dass das so bleibt, das wünsche ich mir.


ZUR PERSON: Kirsten Frehse (53): verantwortliche Herstellungsleiterin bei der Degeto; lebt seit 2015 im Rhein-Main-Gebiet; verheiratet, eine Tochter.

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