Theresa von ELtz

REGISSEURIN

PKR-Mitglied seit: 2017
Alter: 42

Wie kam es zu Ihrer Berufswahl?

Ich wusste schon sehr früh, dass mich Theater und Film als Berufsbild interessieren. Bereits mit 19 habe ich mich an der Filmhochschule München für den Studiengang Dokumentarfilm beworben mit einer Dokumentation über eine Kosovo-Albanerin, „Luljetta“. Ich wurde damit zum Vorstellungsgespräch eingeladen, doch man hielt mich damals für zu jung. Also studierte ich zunächst in Berlin Geschichte und Politologie und machte meinen Master in Oxford, mehr aus Interesse, denn als Berufswunsch. Nach dem Abschluss bewarb ich mich erneut an allen mir bekannten Filmhochschulen, bekam zwei Zusagen und entschied mich für die National Film and Television School im englischen Beaconsfield. Sie schauten dort sehr sensibel und genau auf den einzelnen Menschen und unterstützten die Regisseure in der Art und Weise, wie sie Geschichten erzählen wollten. Maßgeblich an der Ausbildung dort beteiligt waren zwei Lehrer, die selbst legendäre Filmemacher sind, Stephen Frears und Ken Loach. Von beiden habe ich sehr viel gelernt.
 

Für Sie war auch ganz klar, dass es Filmregie sein sollte und nicht Theaterregie?

Ja. Das Kino hat mich immer fasziniert. Es sollte Film sein, das war ganz klar.
 

Würden Sie Ihren Beruf Ihren Kindern oder der nächsten Generation weiterempfehlen?

Selbstverständlich! Filme machen kann man aber nur mit Haut und Haar, und nur wenn man bereit ist zu kämpfen. Mich fragen öfter junge Leute oder Kinder von Freunden, wie das ist, Regisseurin zu sein. Ich sage dann, sie müssen halt wissen, worauf sie sich einlassen. Es ist ein ganz schön steiniger, harter Weg, bis man da ankommt, wo man hinmöchte. Zumindest kann ich das für mich sagen. Ich habe erst relativ spät mit der Regie angefangen, da war ich schon Ende 20. Und man muss wissen, dass man nicht gleich das große Geld verdient, dass es längere Zeit braucht, bis man seine Filme finanziert bekommt und die Industrie auf einen aufmerksam wird. Es ist ein weiter Weg. Aber wenn man dann mal auf halber Strecke angekommen ist, wird es leichter und auch schön, weil man dann tatsächlich die Geschichten erzählen kann, die man erzählen möchte. Selbständig zu sein heißt eben auch, dass man mit einer finanziellen Unsicherheit leben kann und vorsorgen sollte. Ich muss mit Durststrecken umgehen können, und ich muss mit meinen Budgets gut umgehen können, und ich muss trotz der vermeintlichen Freiheit, die ich als selbständige Regisseurin habe, sehr strukturiert und organisiert sein. Am Ende aber habe ich wunderbare Filme, die mir nicht genommen werden können. Ich hinterlasse etwas Bleibendes. Es ist eigentlich ganz gut vergleichbar mit einem Architekten, der etwas plant und baut, das bleibt. Das finde ich sehr schön an meinem Beruf.
 

Wie ist es zu Ihrer PKR-Mitgliedschaft gekommen?

Als ich damals den Kriminalisten gedreht habe, hat mich Christian Berkel darauf aufmerksam gemacht. Er ist ein sehr integrer, loyaler Mensch und inzwischen auch ein guter Freund. Er hat mir davon erzählt und zur Mitgliedschaft geraten. „Das ist was ganz Wichtiges und Wertvolles für die Zukunft“, hat er damals gesagt. Und dann habe ich mich gleich informiert und bin Mitglied geworden, und meinen Kameramann habe ich auch sofort dafür beworben.
 

Was wollten Sie der PKR schon immer mal sagen?

IIch finde das eine Supermöglichkeit vorzusorgen. Vielleicht wäre es auch von Vorteil, wenn man einen Ansprechpartner hätte und nicht lauter verschiedene. Ich erwarte, dass man mit der Hilfe eines Beraters die beste, den eigenen Umständen entsprechende Vorsorge trifft. Eben genauso, wie es bei der Pensionskasse Rundfunk ist. Die Beiträge sind dem Einkommen angemessen gestaffelt. Das finde ich etwas sehr Gutes. Es ist nur wichtig, dass man darüber im Gespräch bleibt. Das könnte bei der Pensionskasse Rundfunk verbessert werden: der persönliche Kontakt.
 

Mit welchen Argumenten würden Sie Ihren Kolleg*innen raten, sich HEUTE um die Altersversorgung zu kümmern?

Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen. Natürlich ist es für Selbständige wichtig, dass wir eine anständige Altersvorsorge haben. Aber selbständige Alleinstehende fangen in der Regel viel zu spät mit der privaten Vorsorge an. Bei Familien sieht das meistens anders aus. Hätte mich jemand früher beraten, hätte ich viel früher damit anfangen können. Das zahlt sich am Ende aus.
 

Welchen aktuellen Programmtipp möchten Sie gerne teilen?

Ich starte meinen Tag jeden Morgen mit Steingarts Morning Briefing. Das ist so ein Rundumschlag zur Politik. Sehr informativ. Man muss nicht alles mögen und auch seine Einstellung nicht teilen, aber ich finde, das ist von Politik über Wirtschaft zu Kultur ein ganz guter Einstieg in den Tag. Was ich auch gerne höre, ist Deutsche Welle und BBC und natürlich FM4. It’s a must, wenn man in Österreich lebt. Neben den Streamern, die natürlich ein unglaubliches Angebot haben, sind die Mediatheken der ARD- und ZDF-Sendeanstalten gut. Da gibt es viele gute Dokumentationen, Info- und Wissenssendungen sowie Serien, die ganz spannend sind. ZDFneo gefällt mir auch. Die werden mutiger, und das braucht das öffentlich-rechtliche Fernsehen. Nicht zu vergessen, Arte. Wenn nichts läuft, dann gehe ich zu Arte, und dort läuft meistens etwas, was ich sehen will.
Ein sehr guter Podcast ist „How To Fail“ von Elizabeth Day, eine britische Journalistin und Autorin. Es geht um Menschen, die Fehler gemacht haben. Das Zitat von Samuel Beckett ist ein gutes Lebensmotto: „Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.” Das kann man auch sehr gut auf das Filmemachen anwenden.
Eine tolle Serie ist „Normal People“ auf Amazon Prime, die hat mich wirklich sehr berührt. Und dann ist da noch „Queen‘s Gambit“ auf Netflix. Eine Superserie, in der eine Frau zum Schachprofi wird. Obwohl es in einer anderen Zeit spielt, ist die Frauenfigur so modern und so zeitgemäß, das fand ich mitreißend und großartig.
 

Wie sieht die Film- und Fernsehbranche in zehn Jahren aus?

Die Fernsehbranche, die öffentlich-rechtlichen Sender, müssen sich verändern, um mit den Streamern mithalten zu können. Sie müssen jünger denken. Das tut das ZDF ja schon mit ZDFneo. Aber das reicht nicht. Das Abendprogramm richtet sich zu sehr an die Zuschauer 60 plus. Das ist für mich kein Zukunftsdenken. Man muss die jungen Leute für das Abendprogramm der öffentlich-rechtlichen Sender begeistern. Sie sind unsere Zukunft. Man muss über das Abendprogramm wieder reden. Wir brauchen wirklich eine Revolution im Fernsehen. Auch die älteren, langgedienten Redakteure müssen sich öffnen, mutig sein und Jüngeren die Türen öffnen. Ich bin überzeugt, dass man alte Strukturen aufbrechen kann, und dass Fernsehen wieder eine echte Alternative für junge Menschen sein könnte. Ich bin natürlich ein „altes“ Fernsehkind, ich bin mit den Mainzelmännchen aufgewachsen und dem Spielfilm der freitagabends um 20:15 nach der Tagesschau kam. Daher: Ich liebe das Fernsehen, aber es muss sich was tun!

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Momentan wünsche ich mir, dass wir verschont bleiben von weiteren Viren-Szenarien, dass wir Künstler, Kulturschaffende und Filmschaffende wieder wirken können, dass Kinos, Theater, Museen, Musikfestivals und Literatur wieder stattfinden. Ich bin ganz traurig darüber, denn mir fehlt die Kunst, mir fehlt die Kultur und mich schmerzt, dass viele Kunst- und Kulturschaffende sehr darunter leiden, nicht nur monetär, sondern auch psychisch. Es ist ein bisschen so, als wäre uns die Luft zum Atmen genommen, die uns ja tatsächlich genommen wird, wenn wir nicht endlich mal anständig über die Umwelt nachdenken. Wir müssen uns um unsere Umwelt kümmern! Ich möchte gerne in Zukunft nachhaltig drehen. Das sage ich auch immer potenziellen Produktionen, mit denen ich arbeite, dass das für mich wichtig ist. Gleichzeitig möchte ich, dass wir unseren Blick schärfen für die Menschen und Länder, denen es wirklich schlecht geht. Ich bin auch sehr für Diversität in der Welt, aber vor allem in meinem Beruf. Wir dürfen neben der Corona-Thematik die Weltprobleme nicht vergessen. Solidarität ist wichtig in jeglicher Hinsicht. Weniger ich, mehr wir.


ZUR PERSON: Theresa von Eltz (42): Regisseurin; seit 2017 PKR-Mitglied.

Theresa von Eltz' Präsenz auf Crew United

Nach oben