Gerrit Busch

TV- UND HÖRFUNK-JOURNALIST

PKR-Mitglied seit: 2000
Alter: 54
Engagement: ver.di bzw. im Personalrat bei Radio Bremen Vertreter der Mitgliedervertretung der PKR    

Wie kam es zu Ihrer Berufswahl?

Ich wollte immer Journalist werden, schon als Schüler und war damals bereits bei einer Schülerzeitung und politisch im Schülerrat aktiv. Meine Motivation war immer politisch, und deshalb dachte ich, dass es doch mehr geben muss in einer Demokratie, außer alle vier Jahre zur Wahl zu gehen. Das war mir wichtig.
 

Würden Sie Ihren Beruf Ihren Kindern oder der nächsten Generation weiterempfehlen?

Ja! Was meinen Sohn angeht, er ist sieben Jahre alt, ihm würde ich nur etwas empfehlen, was ihm liegt. Ich würde ihm nicht das empfehlen, was ich gelernt habe, bloß weil ich es gelernt und nichts anderes gesehen habe. Das wäre nicht sehr glaubwürdig. Ich würde ihm sagen, was man dazu braucht, was wichtig ist. Und wenn er für sich entscheidet, dass der Journalismus etwas ist, was seinen Fähigkeiten und seinem Temperament entspricht – dann würde ich ihn da auch weiter begleiten. Aber es ist kein einfaches Berufsfeld. Wenn man schnell viel Geld verdienen will, ist das der falsche Beruf, glaube ich. Es ist gerade am Anfang als Journalist möglicherweise ein steiniger, jedenfalls ein nicht ganz einfacher Weg. Und es ist ja auch so, dass das Ansehen des Journalisten-Berufs sich aktuell sehr stark verändert, schlechter geworden ist. Ich habe das Gefühl, das hat unter anderem damit zu tun, dass heute eine Stimmung herrscht, in der Fakten und Meinungen so ungefähr dasselbe sind. Und jeder kann seine Meinung vertreten, wie er will. Jeder kann aber auch Fakten in den Raum stellen, wie er will. Und da haben es seriöse Medien schwer, und auch Journalistinnen und Journalisten haben es schwerer als früher. Also man braucht eine starke Überzeugung und muss diese Unsicherheiten oder Widersprüche aushalten können, man muss Durchhaltevermögen haben. Dann ist das der richtige Beruf.
 

Wie ist es zu Ihrer PKR-Mitgliedschaft gekommen?

Ich habe von Anfang an das Gefühl gehabt, dass die normale Rente nicht reichen oder zumindest nicht üppig sein wird. So war ja auch die Stimmung. Das war damals schon zu erkennen aufgrund der demografischen Entwicklung. Das heißt, es war immer klar, man muss was machen, muss privat was machen. Der konkrete Anlass für meine Mitgliedschaft war tatsächlich ein Gespräch mit dem damaligen Personalchef von Radio Bremen, Christoph Blöcher, der auch selber in der PKR aktiv war auf der Arbeitgeberseite. Er hat mich ganz persönlich sofort davon überzeugt, dass das genau das Richtige ist.
 

Was wollten Sie der PKR schon immer mal sagen?

Zuerst muss ich an dieser Stelle einmal sagen, dass der Einsatz von freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der ARD oder im öffentlichen Rundfunk für mich durchaus fragwürdig ist. Ich bin 22 Jahre bei Radio Bremen – das hat eigentlich nicht viel mit freier Mitarbeit zu tun. Das ist es nur auf dem Papier. Man müsste eigentlich einmal darüber nachdenken, ob das legitim ist. Bei Radio Bremen gibt es mehr Freie als Festangestellte, und das ist schon extrem. Aber wenn man die Situation so hinnimmt, wie sie ist, dann ist es sehr gut, dass es die PKR gibt. Gäbe es sie nicht, müsste man jetzt dafür kämpfen. Und da wir nicht dafür kämpfen müssen, haben wir Zeit und Kraft, uns für andere Dinge einzusetzen. Insofern bin ich sehr froh, dass es die PKR ergibt.
 

Was erwarten Sie von Ihrer Altersvorsorge?

Also ich finde Altersvorsorge dann vertrauenerweckend, wenn ich das Gefühl habe, mein Geld wird vernünftig verwaltet. Vor allen Dingen sollte kein großer Versicherungskonzern dahinterstehen, keine Organisation, die Provisionen vergibt, um Verträge abzuschließen, sondern eine solidarische Organisation, die solidarisch von den Mitgliedern lebt und eine schlanke Verwaltung hat. Das wünsche ich mir von der Altersversorgung und das schätze ich an der PKR.
 

Mit welchen Argumenten würden Sie Ihren Kolleg*innen raten, sich HEUTE um die Altersversorgung zu kümmern?

Genau das Argument würde ich in den Vordergrund stellen: Weil es noch so lange hin ist, sollte man sich früh kümmern. Das ist auch das, was ich den Leuten in der Regel zuerst sage: Genau das ist Deine Chance – steig jetzt ein! Wenn man erst irgendwann mit Mitte 40 anfängt, kommt nicht mehr so viel dabei rum. Das kommt bei den Leuten durchaus an. Und das zweite Argument, was ich dann immer nenne: Nirgendwo sonst kriegst du vier Prozent deiner Honorare obendrauf als Alterssicherung. Das wird eine Riester-Rente oder irgendetwas anderes mit Sicherheit nicht hinkriegen, gerade in Zeiten von negativen Zinsen und schwierigen Haushaltssituationen. Es ist kaum möglich, Rendite zu erzielen. Das ist schon ein Riesenplus. Und ich glaube, dass solidarische Systeme krisensicherer sind als kapitalgedeckte Modelle. Die können nämlich pleitegehen oder verkauft werden, oder es passieren andere windige Sachen damit. Also diese drei Argumente überzeugen: solidarisches System, vier Prozent obendrauf und natürlich jetzt und nicht später an die Rente denken.
 

Welchen aktuellen Programmtipp möchten Sie gerne teilen?

Ich habe mich in den letzten Wochen stärker orientiert in Richtung Podcast. Ehrlich gesagt habe ich versucht, in diesen Pandemiezeiten von Netflix loszukommen. Also habe ich überlegt, was es denn sonst so fürs Hirn gibt, wo ich nichts tun muss, nur hören. Und da sind mir besonders die Podcasts von Funk aufgefallen – von dieser Gruppe junger Kolleginnen und Kollegen in der ARD. Radio Bremen ist da auch sehr federführend oder zumindest sehr engagiert. Beispielsweise das Y-Kollektiv in Bremen spielt dort eine große Rolle. Da wir es hier mit dem Thema Alter oder Altwerden zu tun haben, passt der tolle Podcast von Sophie Rethmann, „Für Deutschland sind wir nichts“, der 24/7-Job in der Altenpflege, besonders gut. Da geht es darum, wie unsere alten Menschen heute oft von polnischen Pflegerinnen und Pflegern betreut werden, unter welchen Bedingungen sie arbeiten. Also das ist etwas, was ich empfehlen kann. Und dann würde ich noch den Podcast „maiLab“ empfehlen von Mai Thi Nguyen-Kim, die auf großartig hohem Niveau Wissenschaft und Wissenschaftsthemen vermittelt, so wie das bisher kaum jemand gemacht hat. Das finde ich richtig großartig. Es gibt Harald Lesch, der macht das auch super. Aber sie ist Nachwuchs und greift auf unglaublich kompetente, aber lockere Weise Themen rund um Corona und andere Wissenschaftsthemen auf.
 

Wie sieht die Film- und Fernsehbranche in zehn Jahren aus?

Ich vermute, dass sich der Trend zu „on demand“ noch verstärken wird, immer mehr Inhalte im Web abrufbar sein werden. Was die Arbeitsorganisation angeht: Bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten vermute ich, dass noch mehr ausgegliedert werden wird. Bei Radio Bremen ist das bereits der Fall. Ich habe gerade ein paar Beispiele genannt: Y-Kollektiv oder Funk. Das findet nicht mehr unter dem Dach von Medienhäusern statt oder klassischen öffentlich-rechtlichen Medienhäusern, sondern es wird zugekauft von privaten Firmen. Ich denke, dieser Trend wird sich fortsetzen. Der finanzielle Druck auf die Printmedien wird bleiben und sich erhöhen. Er wird weitergegeben an die Kolleginnen und Kollegen, die dort oder auch beim Hörfunk arbeiten. Ich denke, es wird dadurch für Freie eine noch stärkere Spreizung von Einkommensmöglichkeiten geben, also von prekär zu sehr üppig. Das ist heute schon so, und dieser Trend wird sich fortsetzen.
 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ich möchte, dass es weiterhin einen unabhängigen, staatsfernen, kritischen Journalismus gibt, der dem ganzen Druck der immer stärker aufeinanderprallenden Interessen in der Gesellschaft widerstehen kann. Und ich wünsche mir für die Journalistinnen und Journalisten, arbeiten zu können mit möglichst wenig Existenzdruck, mit möglichst wenig inhaltlichem Druck, einen möglichst freien Journalismus – das wünsche ich mir.


ZUR PERSON: Gerrit Busch (54): TV- und Hörfunk-Journalist, Schwerpunkt Nachrichten für Radio Bremen; engagiert bei ver.di bzw. im Personalrat bei Radio Bremen; Mitglied der Mitgliedervertretung der Pensionskasse Rundfunk; seit 2000 PKR-Mitglied.

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