Cordelia Marsch

AUTORIN, JOURNALISTIN UND REDAKTEURIN

PKR-Mitglied seit: 2018
Alter: 28
Engagement: Stellvertretende Vertreterin in der Mitgliedervertretung der PKR

Wie kam es zu Ihrer Berufswahl?

Ich habe mich ziemlich früh entschieden, Journalistin zu werden. Allerdings war es nicht mein erster Berufswunsch, das war Opernsängerin und dann Nachrichtensprecherin. Schon als junges Mädchen haben mich viele Dinge in der Welt gestört, zum Beispiel die Unmengen an Plastikmüll, die beim Einkaufen entstehen oder der zunehmende Flugverkehr. Mit 15 oder 16 hatte ich dann ein Schlüsselerlebnis: Es war Landtagswahlkampf in Hessen 2008, und wir hatten von der Schule die Möglichkeit, für den Wiesbadener Kurier zu schreiben. Ich wollte unbedingt über ein politisches Thema berichten. Und so kam es, dass ich gemeinsam mit einer Klassenkameradin Andrea Ypsilanti zwei Tage auf ihrer Wahlkampftour begleiten durfte. Darüber haben wir dann eine Reportage geschrieben. Es hat mich total gefesselt, und ich dachte, Mensch, mit dem Journalismus, da könnte ich was machen, etwas gestalten, nachhaken, mich einsetzen, Haltung zeigen und damit auch die Debatten in der Welt mitgestalten. Und wenn's gutgeht, sogar ein bisschen für Aufklärung sorgen. Das war der Schlüsselmoment für mich.
 

Und dann haben Sie Journalismus studiert oder welches Studium haben Sie gemacht?

Ich wollte auf keinen Fall Journalismus studieren, sondern habe dann in Tübingen Allgemeine Rhetorik und Medienwissenschaft studiert. Parallel dazu habe ich als Stipendiatin der Journalistischen Nachwuchsförderung (JONA) eine Journalistenausbildung begonnen. Über die JONA habe ich während des Studiums bereits viele Journalismus-Seminare belegt und Praktika gemacht. Eine freie Mitarbeit beim Reutlinger General-Anzeiger gehörte auch dazu. An JONA und Studium schloss sich dann das Volontariat beim SWR an.
 

Würden Sie Ihren Beruf Ihren Kindern oder der nächsten Generation weiterempfehlen?

Auf jeden Fall. Oft sagt man ja, dass der Journalismus immer unbeliebter wird. Ich sehe das nicht. Ich würde den Beruf auf jeden Fall weiterempfehlen. Es braucht zu jeder Zeit und überall auf der Welt mutige Personen, mutige Journalist*innen, die genau hinschauen, die nachfragen, die Debatten anstoßen, die helfen, aufzuklären und die Mut machen mit ihren Recherchen, mit ihren Geschichten und mit ihren Haltungen. Journalismus – das habe ich über die Jahre gemerkt – ist natürlich viel mehr als nur Recherche. Es ist ein sehr weites Feld, indem jeder, der sich gerne kreativ ausdrückt, gerne schreibt und nachdenkt, sehr gut aufgehoben ist.
 

Wie ist es zu Ihrer PKR-Mitgliedsdcahdft gekommen

Das weiß ich noch ganz genau. Ich muss zugeben, mit Anfang 20 hatte ich mir natürlich nicht allzu viele Gedanken darüber gemacht. Ich kam gerade frisch aus dem Studium, und das ist nicht gerade der Moment, in dem man darüber nachdenkt, wie man seine Rente sichert.


Aber tatsächlich haben wir uns im Volontariat darüber unterhalten. Und da habe ich auch sehr viel meinen Mit-Volontärinnen zu verdanken, die da sehr gut informiert waren und diese Debatte mit in unseren „Volokreis“ brachten. Wir haben diskutiert, was jetzt schlau wäre und was nicht. Ich habe dann einen Termin vereinbart, kurz überlegt und sofort unterschrieben, weil ich es für sehr sinnvoll hielt. Und dann war es auch aus dem Kopf.
 

Was wollten Sie der PKR schon immer mal sagen?

Ich finde es wahnsinnig gut, dass es euch gibt. Es ist eine super Sache! Toll wie sich die PKR flexibel dem Lebensmodell ihrer Mitglieder anpasst. Da kann man auch mal eine Zahlung aussetzen. Man weiß ja als feste Freie nie so genau wie es weitergeht. Als Freie ist man vielleicht sogar mal ein halbes Jahr ohne Beschäftigung. Das gilt ebenfalls für den Beitragssatz, der nicht als fester Betrag, sondern prozentual vom Einkommen abgezogen wird.
 

Was erwarten Sie von Ihrer Altersvorsorge?

Ich erwarte von meiner Altersvorsorge, dass sie für mich da ist, wenn ich sie brauche, und dass sie sich meinem Leben anpasst, von dem ich mit 28 ja noch gar nicht wissen kann, wohin es mich überall führen wird. Außerdem erwarte ich natürlich, dass meine Altersvorsorge sozial, nachhaltig und gewissenhaft ist, und zwar nicht nur ihren Mitgliedern gegenüber, sondern auch im Hinblick auf ihre Anlagestrategie.
 

Mit welchen Argumenten würden Sie Ihren Kolleg*innen raten, sich HEUTE um die Altersversorgung zu kümmern?

Ich weiß nicht, ob dieses Zitat passt, aber ich habe sofort daran gedacht: „Steter Tropfen höhlt den Stein“. Je früher man anfängt, umso höher ist am Ende die Auszahlung. Jedes Jahr früher ist eben ein Jahr mehr. Wir denken alle über Altersvorsorge nach, wahrscheinlich nicht täglich, aber es ist schon ein Thema, das immer wieder mal aufploppt – so ist auf jeden Fall meine Wahrnehmung. Und wenn man sich einmal damit auseinandergesetzt und eine Entscheidung getroffen hat, dann ist es aus dem Kopf. Das ist befreiend, das schafft wieder Platz für Anderes.
 

Welchen aktuellen Programmtipp möchten Sie gerne teilen?

Ich bin ein großer Fan der Arte-Mediathek. Die haben schon sehr lange eine ganz toll aufgebaute Mediathek. Gerade jetzt während der Corona Pandemie, wo wir auf sehr viele Kulturveranstaltungen verzichten müssen, bietet Arte einen guten Ausgleich. Da gibt es hervorragende Konzerte zu sehen, von Klassik bis zum DJ-Set. Da gibt es wahnsinnig gute Filme und Serien. Ich bin eigentlich gar kein Serien-Fan, aber eine habe ich entdeckt, und die ist, glaube ich, für alle was, die gerne so häppchenweise schauen und sich gerne mit der Psyche des Menschen auseinandersetzen. Die Serie heißt „In Therapie“. Ich würde sagen, so für das besondere Urlaubsfeeling könnte man die Serie gleich noch auf Französisch schauen.


Ich finde aber auch, dass es richtig gut gemachtes Radioprogramm in Deutschland gib. Das zeichnet Deutschland aus. Wir haben eine wundervolle, qualitativ hochwertige Radiolandschaft. Da gibt es zum Beispiel die SWR2 „Musikstunde“. Ich liebe Musik, ich liebe Jazz, ich liebe Soul, ich liebe Klassik – und die Musikstunde bettet journalistisch wunderbar aufgearbeitete Geschichten in diesen Musikmix ein. Und dann kann ich noch die „Zeitfragen“ von Deutschlandfunk Kultur empfehlen. Das ist ein halbstündiger Podcast, der sich mit sozialen und politischen Themen beschäftigt.
 

Wie sieht die Film- und Fernsehbranche in zehn Jahren aus?

Also da habe ich viele Wünsche, denn es gibt noch Nachholbedarf. Ich wünsche mir, dass die Branche in zehn Jahren den Sprung zum Online-Auftritt geschafft hat und dann munter wie ein Fisch im Wasser schwimmt. Es sollte öffentlich-rechtliche Filmfestivals für Dokumentarfilme geben. Das lineare Fernsehen wird weitgehend aussterben, aber die Menschen schauen weiter Filme und das Programm. Früher hat das Fernsehen die Menschen zusammengebracht, und sie haben sich über ein Programm ausgetauscht. Vielleicht bekämen wir in der Zukunft etwas Ähnliches mit Filmfestivals öffentlich-rechtlicher Produktionen hin. Wir könnten damit eine neue Öffentlichkeit schaffen.
Für die Filmbranche wünsche ich mir, dass es auch nach der Corona-Pandemie gute Filmverleihe gibt und volle Kinos, die dieses vielfältige Filmprogramm spielen, das auf der Welt entsteht. Dazu gehört eine breite Förderung für den Film, insbesondere künstlerische Filme und hybride Erzählformen sollten noch viel mehr gefördert werden. Da muss man sich stärker öffnen und einen Schritt weg vom vertrauten Mainstream-Programm wagen.
 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Für die Zukunft unserer Gesellschaft wünsche ich mir Freiheit und Mut, Zusammenhalt, eine gute und gewaltfreie Kommunikation – und Zufriedenheit. Ich hoffe, dass die Lebensumstände uns dies ermöglichen.


ZUR PERSON: Cordelia Marsch (28): Autorin/Journalistin und Redakteurin beim SWR; wohnt in Stuttgart/ab September in Esslingen; ledig; seit 2018 PKR-Mitglied.

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