Julia Lange und Peter Weiss


JULIA LANGE

DREHBUCH-/COMEDY-AUTORIN UND REDAKTEURIN

PKR-Mitglieder seit: 2020
Alter: 45
Engagement: Mitglied bei ver.di

PETER WEISS

(SYNCHRON-)SPRECHER UND SCHAUSPIELER

PKR-Mitglieder seit: 1991
Alter: 58

Wie kam es zu Ihrer Berufswahl?

Peter Weiß: Es hatte damit zu tun, dass ich nicht in der Früh aufstehen wollte. Das hat sich alles andere als realitätsnah erwiesen. Ich muss manchmal sehr früh raus, wenn Drehtag ist. Außerdem wollte ich natürlich einen Beruf wählen, in dem ich mich kreativ betätigen kann, in dem ich mich verwirklichen kann. Ich stellte fest: Zum Verwirklichen gehört auch immer Geld verdienen. Bei mir bestand parallel der Wunsch nach einer Familie. Das sind mitunter zwei divergierende Themen, die ich aber bis jetzt ganz gut zusammenbekomme.

Julia Lange: Bei mir war der große Bruder das Vorbild, der war Cutter. Dadurch war ich schon immer mal am Schnittplatz und bin auf diese Weise in das ganze Thema Film reingekommen. Nach dem Abitur gab es für mich drei Wege: Kunstakademie, Filmhochschule oder Psychologie studieren. Ich bewarb mich dann an einer Filmhochschule, sehr jung und sehr naiv, und wurde direkt genommen. Das war so der Wegbereiter für die weitere Laufbahn.
 

Würden Sie Ihren Beruf Ihren Kindern oder der nächsten Generation weiterempfehlen?

Julia Lange: Ich möchte meinen Kindern gerne mitgeben, dass sie sich Zeit lassen für die Berufswahl, dass sie sich nicht zu sehr abhetzen in so einem vermeintlichen Leistungsdenken, sondern dass sie sich wirklich die Zeit geben, herauszufinden, was ihnen entspricht. Wenn das die Medien sein sollten, wie auch immer diese dann aussehen, würde ich sagen „ja“. Das ist ein Feld, wo sehr viel möglich ist, wo man Geschichten erzählen kann, wo man kreativ sein kann. Ich lasse sie ganz frei entscheiden.

Peter Weiß: Ich würde auf jeden Fall den beruflichen Weg noch einmal gehen. Ich wollte immer frei sein, was jetzt ein bisschen sehr philosophisch klingt. Aber ich bin ein Mensch, der gerne seinen Beruf immer wieder neu baut. Und das tue ich, übrigens seit 30 Jahren. Da gab es das Taxifahren, dann gab es die Bauarbeiten, und da gab es das Drehtage-haben und das Hörbuch-einsprechen und -synchronisieren und die verschiedensten Berufsbilder, die ich da alle zusammen habe und Familienvater sein und all diese Dinge. Das möchte ich nicht missen. Und meinen Kindern, das möchte ich betonen, denen habe ich überhaupt nichts empfohlen. Die wurden jetzt alle drei keine Schauspieler.
 

Wie ist es zu Ihrer PKR-Mitgliedschaft gekommen?

Peter Weiß: Es ist eine wunderbare Geschichte. Als junger Schauspieler denkst du überhaupt nicht an die Rente, die da irgendwann mal sein wird. Ich kam damals auf eine Probe und da war Jörg Hube, ein toller Regisseur und Schauspieler, und der sagte doch glatt: „Übrigens, ihr habt schon auch an eure Rente gedacht?“ – ein bisschen mit Blick auf die Jungen. Ich dachte: Wie bitte, was ist denn das jetzt? Wäre ich nicht später durch einen Kollegen noch einmal konkret angesprochen worden, wäre ich heute nicht dabei. Also man erfährt es einfach nicht. Deswegen ist es auch mein Anliegen, dass man ein Stück weit Verantwortung für sein Leben übernimmt und sagt: Ich mache etwas, damit ich nicht in die Altersarmut rutsche. Das gehört zum freien künstlerischen Leben dazu.

Julia Lange: Ich kann mich in allen Punkten nur anschließen, nur dass ich nicht so eine tolle Geschichte mit Jörg Hube habe. Bei mir war es aber auch eine Kollegin, die mich darauf aufmerksam gemacht hat. Ich habe das Thema zu lange vor mir hergeschoben, weil auch immer nicht so viel Geld übrigblieb. Ich habe einige Termine gemacht mit klassischen Versicherungsagenturen – die haben mich so was von abgeschreckt. Dann hat eine Regieassistentin mich auf die PKR aufmerksam gemacht und gesagt: „Du musst eigentlich nicht viel machen und bist dann einfach dabei.“ Es schien mir so simpel von der Struktur her. Als ich dann im Online-Seminar der PKR war, war auch wirklich alles so einfach. Ich habe mich direkt am gleichen Nachmittag noch angemeldet.
 

Was wollten Sie der PKR schon immer mal sagen?

Julia Lange: Mich hat das schon beeindruckt. Ich habe noch nicht ganz verstanden, wie die gesamte Finanzierung funktioniert, da müsste ich mich noch hineinarbeiten. Aber so wie ich es verstehe, hat es fast einen genossenschaftlichen Charakter. Ich habe selbst auch eine Wohnungsgenossenschaft mitgestaltet, war eines der Gründungsmitglieder. Ich finde einfach diesen Gedanken ganz toll, wie das funktioniert, und dass nicht 1 000 Schichten dazwischengeschaltet sind, die noch Geld verbrauchen, welches am Ende den Mitgliedern fehlt. Dieses simple System, das finde ich gut. Ich hoffe, Sie machen so weiter und machen sich noch ein bisschen bekannter.

Peter Weiß: Mir gefällt es, dass wir eine Mannschaft, eine Familie sind. Ich höre nicht den Versicherungsagenten heraus, sondern ich höre eine Familie heraus, in der ich selber Familienmitglied bin. Machen Sie weiter so einen tollen Job. Ich gebe Ihnen mein Vertrauen und finde es einfach nur gut, dass es Sie gibt.
 

Was erwarten Sie von Ihrer Altersvorsorge?

Peter Weiß: Natürlich, dass Sie verantwortlich mit dem Geld umgehen. Aber das machen Sie sowieso. Mehr ist es nicht. Bei Geld hört die Freundschaft nicht auf, sondern fängt die Freundschaft an. Bei Geldangelegenheiten zeigt sich wirkliches Vertrauen.

Julia Lange: Eine gewisse Befreiung von der Angst vor der Altersarmut. Da gehören Sicherheit und Vertrauen dazu und das Gefühl: Die kennen sich aus.
 

Mit welchen Argumenten würden Sie Ihren Kolleg*innen raten, sich HEUTE um die Altersversorgung zu kümmern?

Julia Lange: Das Alter kommt schneller, als man denkt. Das erscheint jetzt eher wie eine Drohung, aber die Zeit zwischen 35 und 45 ist so schnell vorbeigegangen, dass ich es gar nicht fassen kann. Eine frühe Altersvorsorge bedeutet für mich, einen entspannteren Weg zu gehen. Das hat mit Selbstfürsorge und Selbstverantwortung zu tun. Es ist gar keine Frage ob, sondern nur wie ich mich für das Alter absichere, damit ich ein einigermaßen auskömmliches Leben habe.

Peter Weiß: Es ist ein ganz wichtiges Thema für Frauen, da es nicht sein kann, dass die Statistik uns sagt, dass Frauen mehr in die Altersarmut rutschen als Männer. Das heißt, sofort allen Frauen sagen: Tu etwas für deine Altersvorsorge! Ich bin verantwortlich für mein Leben, für meine Freiheit und damit auch für meine künstlerische Kreativität. Als Künstler bin ich am entspanntesten und am kreativsten, wenn ich weiß, dass ich abgesichert bin. Die Hälfte zahlt der Arbeitgeber dazu. Da muss ich sagen: Ja, das gehört so. Damit bin ich wertgeschätzt als Mitarbeiter und als Künstler.
 

Welchen aktuellen Programmtipp möchten Sie gerne teilen?

Peter Weiß: Ich schaue mir einfach unglaublich gerne Dokus an. Da ich mitunter auch Nachtnachrichten mache, ist es erfreulich, dass dafür ein bisschen Zeit bleibt zwischen den Nachrichten. Es gibt eine tolle Sendung: „Gott“ von Ferdinand von Schirach. Es geht um Sterbehilfe und ist so eine Mischung zwischen Fiktion und Doku. Empfehlen möchte ich außerdem noch die „radioWelt“ auf Bayern 2, ohne die ich in der Früh nicht aufstehe. Für mich aufbereitetes Wissen und dann auch noch gut dargebracht und mit wirklich tollen Journalisten, ist für mich großartig am Morgen.

Julia Lange: Kabarett und Satire, ist ja klar. Es ist ja mein Job. Ich arbeite für den „Schlachthof“ und finde es gerade in diesen Zeiten ganz, ganz wichtig, einen satirischen Blick auf die Welt zu haben. Ich persönlich finde manche Themen schwer erträglich, wenn ich sie nicht irgendwie mit Humor verarbeiten kann. Ich weiß in letzter Zeit meine Kollegen und Kolleginnen vom Radio von Bayern 2 sehr zu schätzen. In dem Magazin „Notizbuch“ gibt es den Podcast „Eltern ohne Filter“, der ein bisschen gegen die Perfektion in der Elternschaft angeht. Ich habe Dokumentarfilm studiert, und in der Tat schaue ich auch Dokus hoch und runter. Ich mag „Lebenslinien“ sehr gerne beim BR und auch „Gipfeltreffen“ mit Werner Schmidbauer – das sind Sendungen, wo es einfach ein bisschen langsamer zugeht. Man erfährt von Schicksalen und sieht, dass so mancher Lebensweg auch nicht nur geradeaus führt, sondern dass auch Knicke dazugehören.
 

Wie sieht die Film- und Fernsehbranche in zehn Jahren aus?

Peter Weiß: Es gibt eine Statistik über das Fernsehverhalten der jungen Menschen, welches bei unter 10 Prozent liegt. Das Erschreckende ist, dass die Computerspiele die Spielfilme überholen. Die Computerindustrie ist also schon größer als die Filmindustrie. Das heißt aber nicht, dass sich unser Qualitätsfernsehen nicht behaupten wird.

Julia Lange: Es ist jetzt schon ganz klar, dass die älteren Leute lineares Fernsehen nutzen, die ganz Jungen gar nicht mehr. Ich denke, das wird sich irgendwann ausschleichen und sich in diesem ganzen trimedialen und crossmedialen Ping Pong ausbreiten. Es ist sehr deutlich, dass das Digitale auf dem Vormarsch ist und das Lineare überholen wird. Ein bisschen anders sehe ich es beim Thema Kinofilm. Die sind schwer gebeutelt durch die Coronazeit. Ich bin eine große, große Kinogängerin und habe diesen festen Glauben, dass es da eine Renaissance geben wird, und man sich darauf wieder freut, in diesem wunderbaren alten Saal mit diesem muffigen Geruch und diesen roten Samtsesseln, den neuesten Film anzuschauen.
 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Julia Lange: Tatsächlich hadere ich gerade sehr mit den großen Themen. Für mich ist das vor allem das Thema soziale Gerechtigkeit, dass wir uns von diesen entsetzlichen Spaltungen in der Gesellschaft wieder entfernen und einen langsamen Strukturwandel erleben dürfen, der uns wieder mehr hinbringt zu einem menschlichen Miteinander. Ein großes Thema für mich ist tatsächlich auch, wie wir mit unserer Umwelt umgehen, und mit welch einer Trägheit wir diesem Problem begegnen in diesen Zeiten, wo es wirklich angesagt wäre, etwas handlungsfähiger zu werden. Das würde ich mir auch wünschen, dass wir das Thema Umwelt ernsthaft angehen, und zwar jetzt.

Peter Weiß: Es ist tatsächlich die Wahrheit, was die Julia gerade gesagt hat und auch sehr, sehr wichtig. Ich wünsche mir, dass wir unbedingt aus dieser Krise etwas lernen. Das ist eine tolle Chance. Wir könnten uns neu definieren: Lasst uns respektvoll und gut miteinander umgehen, denn drumherum schaut es nicht so lustig aus zukunftsmäßig.


ZU DEN PERSONEN:

Julia Lange (45): Drehbuchautorin, Redakteurin und Comedy Autorin beim BR; zwei Kinder; lebt in München; seit 2020 PKR-Mitglied.

Peter Weiß (58): Schauspieler, Synchronsprecher und künstlerischer Sprecher beim BR; drei Kinder; lebt in der Nähe von München; seit 1991 PKR-Mitglied.

Julia Langes Präsenz auf Crew United

Peter Weiß' Präsenz auf Crew United

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