Thomas Neudorfer

SZENENBILDNER

PKR-Mitglied seit: 2016
Alter: 39
Mitgliedschaften: Verband der Berufsgruppen Szenenbild und Kostümbild e. V. (VSK)
Deutsche Akademie für Fernsehen (DAfF)

Wie kam es zu Ihrer Berufswahl?

Nach dem Abitur hatte mir mein Vater, der schon seit vielen Jahren Spezialeffekte macht und Spezialrequisiten baut, einen Job als Requisitenfahrer bei einem Kinofilm organisiert. Vorher kannte ich zwar die Arbeit beim Film, hatte mich aber nicht tiefer damit beschäftigt. Auf den ersten Job folgten weitere und mir wurde bald klar, dass ich in dieser Abteilung bleiben, aber auch gerne studieren möchte. Ich studierte zunächst Architektur, da mir dies als fundiertes und nicht rein künstlerisches Studium sinnvoll erschien. Fast wäre ich dabei geblieben. Aber in den Semesterferien bekam ich Angebote als Szenenbildassistent, und da war es dann eben doch der Film, der mich mehr interessierte. Bis zum ersten eigenen Szenenbild vergingen noch einige Jahre als Assistent und Art Director, die mir allerdings neben dem Architekturstudium viel gebracht haben.
 

Würden Sie Ihren Beruf Ihren Kindern oder der nächsten Generation weiterempfehlen?

Die Frage lässt sich nicht so ohne Weiteres mit ja oder nein beantworten. Ich liebe meinen Job und wüsste keinen anderen, gegen den ich ihn eintauschen wollte. Gleichwohl hat sich in den Jahren seit meines ersten Requisitenfahrerjobs viel in der Branche verändert. So ist beispielsweise die Bezahlung nicht mehr höher als in anderen Branchen. Früher hieß es, beim Film verdient man deshalb so viel, weil man ja nicht das ganze Jahr arbeitet. Heute muss fast jeder durcharbeiten oder Arbeitslosengeld beziehen. Die Ansprüche sind viel höher geworden, was ja nicht verkehrt ist, gleichzeitig sind aber neben den Gagen auch die Budgets nicht gestiegen, und die Drehzeit hat sich stark verkürzt. Es ist viel schwieriger geworden, ein Team zu finden, dass bereit ist, einen großen Teil der Freizeit für den Film zu opfern, gleichzeitig hat man kaum eine Chance, sein Team so zu planen, dass man Teilzeit arbeiten kann.

Ich denke in diesen Bereichen hat unsere Branche sehr viel Nachholbedarf. Lässt sich jedoch an der einen oder anderen Schraube in den nächsten Jahren drehen, dann ist der Beruf des Szenenbildners ein toller Beruf, bei dem man immer wieder wunderbare Menschen kennenlernt. Man beschäftigt sich mit vielen anderen Branchen und Gewerken und muss sich immer wieder neuen Herausforderungen stellen. Ich kenne keinen anderen Beruf, der so viel unterschiedliches Wissen verlangt, vor allem die Fähigkeit, sich immer wieder neu in Aufgabenstellungen hineinzudenken.
 

Wie ist es zu Ihrer PKR-Mitgliedschaft gekommen?

Über die Kooperation der PKR mit dem VSK (Verband der Berufsgruppen Szenenbild und Kostümbild e. V.).
 

Was wollten Sie der PKR schon immer mal sagen?

Die PKR ist aus meiner Sicht für meine Branche die beste Möglichkeit Stück für Stück eine Altersvorsorge aufzubauen. Schade nur, dass nicht alle Filmprojekte gefördert werden können.
 

Was erwarten Sie von Ihrer Altersvorsorge?

Leider nicht allzu viel. Ich denke, dass ich noch arbeiten werde, wenn ich weit über 60 bin. Das ist für mich kein Problem, solange ich es kann. Ich sehe die Altersvorsorge eher als Baustein, der mich entlastet, wenn ich später mal nicht mehr so viel arbeiten kann oder möchte und weniger als vollständigen Ersatz zur Arbeit.
 

Mit welchen Argumenten würden Sie Ihren Kolleg*innen raten, sich HEUTE um die Altersversorgung zu kümmern?

Weil das Thema immer unangenehmer und schwieriger wird. Andere Argumente haben mir da nie geholfen.
 

Wie sieht die Film- und Fernsehbranche in zehn Jahren aus?

Gerade echt schwer zu sagen. Ich denke der Boom wird wieder zurückgehen. Es gibt aktuell viele neue Player auf dem Markt, ganz viele branchenfremde Firmen produzieren Serien und Filme, dass wird wieder zurückgehen.

Gerade geht der Trend dahin, sehr hochwertig zu produzieren, wo es noch vor einigen Jahren einen Trend zu sehr billigen Formaten gab.
 

Der Nachwuchsmangel wird sicher ein sehr großes Problem werden, da immer weniger junge Menschen die Rahmenbedingungen beim Film akzeptieren. Möglicherweise wird das zu größeren Umbrüchen führen. Ich könnte mir vorstellen, dass dadurch Sender wieder mehr dazu gezwungen werden, Leute enger an sich zu binden.
 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Innerhalb der Filmbranche würde ich mir wünschen, dass sich der Blick zu den Menschen und Gewerken, die neben einem arbeiten, wieder weiter öffnet. Auch beim Film gab es in den letzten Jahren eine immer stärkere Spezialisierung, die dazu geführt hat, dass die Abteilungen immer weniger voneinander wissen, was sie tun, was sie brauchen, wo Unterstützung nötig ist. Ich glaube, wenn sich jeder in die Situation der anderen versetzen würde und wirklich wüsste, was und wie die anderen arbeiten, wäre vieles besser.
Ich glaube der Ansatz ließe sich auch auf die Gesellschaft an sich übertragen, ist dann aber nochmal schwerer …


ZUR PERSON: Thomas Neudorfer (39); Szenenbildner; verheiratet; lebt in München; Mitglied im Verband der Berufsgruppen Szenenbild und Kostümbild e. V., Deutsche Akademie für Fernsehen (DAfF); PKR-Mitglied seit 2016.

Thomas Neudorfers Präsenz bei Crew United

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