Minh Thu Tran

FREIE JOURNALISITN

PKR-Mitglied seit: 2019
Alter: 28
Engagement: Stellvertretende Vertreterin in der Mitgliederversammlung der PKR

Wie kam es zu Ihrer Berufswahl?

Ich hatte nie einen anderen Berufswunsch. Schon relativ früh in meiner Jugend arbeitete ich für die Lokalzeitung und das lokale Piratenradio, sozusagen ein freies Radio. Und während meines Studiums der Politikwissenschaften in München habe ich das weitergeführt. Ich engagierte mich beim Studierendensender M94.5, wo ich moderierte und Beiträge produzierte. Es war ein relativ geradliniger Weg in meiner Branche. Nach meinem Bachelorstudium machte ich den Master an der Ludwig-Maximilians-Universität München und absolvierte an der Deutschen Journalistenschule meine journalistische Ausbildung. Von dort bin ich dann über ein Praktikum beim Deutschlandradio gelandet. Und seitdem arbeite ich in den öffentlich-rechtlichen Sendern.
 

Würden Sie Ihren Beruf Ihren Kindern bzw. der nächsten Generation empfehlen?

Ich würde meinen Kindern nichts vorschreiben wollen. Dadurch, dass ich aus einer eingewanderten Familie komme, in der es bestimmte Vorstellungen und Erwartungen gab, die ich zu erfüllen hatte, war es für mich sehr schwer, mich rauszukämpfen und mein Ding zu machen. Generell würde ich sagen, dass der Beruf in den letzten Jahren schon deutlich prekärer geworden ist. In den Rundfunkanstalten gibt es kaum noch feste, unbefristete Verträge – die sind eine Seltenheit geworden. Das heißt, wenn jemand Sicherheit sucht, ist das sehr schwierig. Das würde ich der nächsten Generation und allen, die sich für diesen Beruf entscheiden, mitgeben. Darüber sollten sie sich im Klaren sein.
 

Wie ist es zu Ihrer PKR-Mitgliedschaft gekommen?

Ich bin relativ blauäugig in den Beruf gegangen, was Vorsorgethemen angeht. Ich kam als freie Journalistin gerade frisch vom Studium und stamme zudem aus einem Arbeiterhaushalt, wo solche Themen eher weniger besprochen werden. In meinem Umfeld gab es kaum Informationen und Wissen dazu. Als ich anfing zu arbeiten, haben mich ältere Kolleg*innen zur Seite genommen. Sie haben mir gezeigt, wie beispielsweise ein Urlaubsantrag auszufüllen ist, das wusste ich alles nicht. Sie haben mir geraten, Geld für die Steuerrückzahlung zurückzulegen, damit ich nicht im nächsten Jahr eine böse Überraschung erlebe, und mich um meine Rente zu kümmern. Sie haben mir beigebracht, dass Vorsorge für Freie sehr, sehr wichtig ist. Die Kolleg*innen haben mir dann auch die Pensionskasse ans Herz gelegt, wozu ich mich ziemlich schnell angemeldet habe.
 

Was wollten Sie der PKR schon immer mal sagen?

Ich finde es toll, dass es die Möglichkeit gibt, privat vorzusorgen, auch mit der Unterstützung des Arbeitgebers, obwohl man frei ist. Diese Möglichkeit kenne ich, ehrlich gesagt, von anderen kreativen Branchen so nicht. Ich finde es gut, dass es die Pensionskasse gibt.
 

Was erwarten Sie von Ihrer Altersvorsorge?

Im Endeffekt einfach, dass ich abgesichert bin und irgendwann in den Ruhestand gehen kann. Das sind so abstrakte Gedanken, die ich bis vor zwei Jahren noch nicht wirklich hatte – Wohlstand, mich irgendwann zur Ruhe setzen. Finanzielle Sicherheit ist, glaube ich, sehr wichtig.
 

Mit welchem Argument würden Sie Ihren Kolleg*innen raten, sich HEUTE um die Altersversorgung zu kümmern?

Viele, vor allem junge Kolleginnen und Kollegen haben mir gesagt: „Ich bin gerade erst umgezogen, muss erst einmal die Möbel bezahlen.“ Oder: „Ich bin doch gerade noch dabei, meinen Studienkredit abzubezahlen. Das mache ich später.“ Das Problem ist nur, dass die Rente ja nicht mehr wird, wenn man erst später anfängt. Bei der PKR ist es nicht wichtig, wie viel man einbezahlt. Aber es ist wichtig, überhaupt erst einmal etwas einzubezahlen und das beständig zu machen. Ich weiß, was es heißt, sich in einer neuen Stadt erst einmal etablieren zu müssen. Und auch finanzielle Unsicherheit beschäftigt einen: Wie viel kann ich überhaupt zurücklegen und sparen? Oder wie viel kann ich überhaupt ausgeben? Was sind überhaupt meine finanziellen Möglichkeiten als Berufseinsteigerin? Das kann man als Freie nicht so wirklich einschätzen. Aber das ist tatsächlich ein Posten, wo ich nicht sparen würde. Damit würde ich anfangen, sobald ich Geldeingänge von regelmäßigen Arbeitgebern hätte.
 

Welchen aktuellen Programm-Tipp würden Sie gerne teilen – TV, Radio, Podcast ...?

Einen Podcast, den ich sehr gerne höre, ist „Pandemia“ von Viertausendhertz und Riffreporter. Der beschäftigt sich mal aus einer anderen Perspektive mit dem Thema „Pandemie“: Wie entstehen Pandemien? Also eher der große Blick und weniger die kleinteilige Berichterstattung um Covid-19. Wir sind gerade, glaube ich, so vollgepumpt mit Pandemie-Berichterstattung. Aber diesen Blick darauf – auch in die Tiefe – habe ich noch nirgendwo so gesehen. Deswegen würde ich diesen Podcast jedem ans Herz legen.
Außerdem kann ich natürlich noch meinen News-Podcast ans Herz legen, den ich für den WDR moderiere, der heißt „0630“ – ein Podcast von WDR Aktuell. Er ist kurz und man bekommt in 15 bis 20 Minuten alle relevanten Nachrichten für den kommenden Tag zusammengefasst.
 

Wie sieht die Film- und Fernsehbranche in 10 Jahren aus?

Ich glaube, dass es deutlich selbstverständlicher sein wird, dass verschiedene Perspektiven vorkommen müssen und auch eine Stimme und Geschichten haben, die erzählt werden müssen. Wir haben in der Film- und Fernsehbranche – vor allem der öffentlich-rechtlichen – immer noch eine Konzentration auf eine sehr akademische, weiße, gebildete Zuhörer*innen- und Zuschauer*innenschaft. Und ich glaube das müssen wir ändern, sowohl was kulturelle als auch soziale Hintergründe angeht. Da müssen wir deutlich inklusiver werden.
 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ich wünsche mir natürlich, dass die Arbeitsbedingungen für Journalist*innen nicht weiter absinken, weil der Beruf einfach wichtig ist für eine funktionierende Demokratie. Viele meiner Kolleg*innen sind sehr zufrieden mit ihrem Beruf und sehen einen hohen Sinn in dem, was sie tun. Aber man kann seinen Beruf weniger gut ausüben, wenn man existenzielle Sorgen hat. Ich wünsche mir, dass hier nicht weiter gespart wird, sondern dass wir nachhaltige Finanzierungsmodelle finden, sowohl öffentlich-rechtlich als auch in der Privatwirtschaft, um diesen Berufsstand auch für die Zukunft zu sichern.


ZUR PERSON: Minh Thu Tran (28): freie Journalistin bei verschiedenen Rundfunkanstalten, zum Beispiel Deutschlandradio, WDR und Radio Bremen, dort vor allem als Programmplanerin, Moderatorin und Produzentin von Podcasts; publiziert ihren eigenen Podcast „Rice and Shine“, lebt in Köln; ledig; seit 2019 Mitglied der PKR.

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